Auf ein Neues!

Das Medien-Netzwerk „Deine Korrespondentin“ berichtet seit Mai 2015 über Frauen aus aller Welt. Die Journalistinnen sind absolute Profis. Jetzt brauchen sie Geld, um ihr Format weiter auszubauen. Ein Treffen im neuen Jahr mit den sympathischen High Potentials im Hamburger Stadtteil St. Pauli. 

Schummriges Licht, Cocktails mit blumigen Namen, gemütliche Postermöbel: Ein bisschen Wohnzimmer-Atmosphäre herrscht in der Kneipe „Möwe Sturzflug“ im Hamburger Stadtteil St. Pauli, als ich mich peu-á-peu vorbei an den vielen Leuten bis hin zu dem Tisch im hintersten Raum durchschlängele. Dort sitzen schon drei Frauen so um die Anfang Dreißig. Sie nippen an Gläsern mit Holunderblütensyrup, Rum und Minze-Blättern. In ihren Gesprächen dreht sich alles um Artikel, Redaktionen und Themen. Und im Laufe des Abends kommen immer mehr Journalistinnen hinzu. Als Pauline Tillmann den Raum betritt, sinkt der Geräuschpegel merklich, die Aufmerksamkeit ist ganz auf sie gerichtet. Viele der Frauen begrüßen sie freudig. Man kennt sich gut. Denn Pauline hat vor knapp drei Jahren das Online-Magazin und Medien-Startup „Deine Korrespondentin“ in Berlin gegründet. Die Geschäftsführerin und ihre Korrespondentinnen treffen sich heute Abend in Hamburg zum „Meet and Greet“ und sie haben auch Freunde und Fans eingeladen. Ich bin gekommen, um mehr zu erfahren. Denn nach fünf Jahren Abwesenheit aus Deutschland interessiere ich mich vor allem für neue, digitale Formate, für Diversität und Projektinnovationen in der deutschen Medienszene. Was also macht „Deine Korrespondentin“?

Frauen sichtbar machen

Pauline setzt sich und erzählt. „Die Idee von „Deine Korrespondentin“ ist, Frauen in der Öffentlichkeit durch eine bewusste Berichterstattung sichtbarer zu machen“, sagt sie. Studien zeigen auf, dass über Männer fünf Mal mehr als über Frauen berichtet werde . Dieses Ungleichgewicht habe sie immer gestört, so Pauline. Denn viele Aspekte weiblicher Lebenswelten tauchen so gar nicht auf und werden von Männern im Medienbereich dann nicht wahrgenommen. Als freie Auslandskorrespondentin für öffentlich-rechtliche Sender berichtete Pauline vier Jahre lang aus St. Petersburg. Die Buchautorin machte anschließend eine Recherche-Reise in die USA. Aus dem Silicon Valley nahm sie den Schwung mit nach Deutschland, Neues und Innovatives zu wagen, auch mal scheitern zu können, aber vor allem den Mut zu aufzubringen, ein neues Format zu starten.  Deswegen lautet das Motto von „Deine Korrespondentin“ auch: Hören wir auf, zu reden und fangen wir an, zu machen.

Einzigartig gut

Zehn Korrespondentinnen berichten seit 2015 u.a. aus Uganda, Israel, Frankreich, Chile und Brasilien über ganz unterschiedliche Frauen in Form von Features, Podcasts und Reportagen. Dabei fungieren die Frauen multimedial, sind gleichermaßen als Expertinnen ihrer Länder wie auch als Journalistinnen unterwegs. Und „Die besten Geschichten von Frauen aus der ganzen Welt“, wie es auf der Website heißt, sind einzigartig gut.
Mareike Enghusen beispielsweise, die Israel-Korrespondentin, hat zwei Schwestern in Ramallah porträtiert, die ihrer Machogesellschaft ein Schnippchen schlagen und ein erfolgreiches Modeunternehmen gegründet haben. Mareike schreibt auch für Brand Eins und andere renommierte Medien. „Gerade bin ich in Kairo, lerne weiter Arabisch und werde erstmal bleiben, weil es dort so spannend ist“, sagt sie.

Harte Wirklichkeit

Qualität, dieses Wort, wird von den Korrespondentinnen mit echtem, hochwertigem Inhalt gefüllt. Die Geschichten auf „Deine Korrespondentin“ schmecken wie ein Glas sehr guten Whiskeys. Aber das hat natürlich auch seinen Preis. Denn das „Medien-Labor, wie Pauline „Deine Korrespondentin“ gerne nennt, ist nur tragfähig, wenn LeserInnen bereit sind, für gute Inhalte zu bezahlen. In dieser Hinsicht kämpft das Magazin genauso wie konventionelle Medienhäuser auch mit der harten Wirklichkeit – Journalismus soll gut sein, aber am liebsten soll er nichts kosten. Deshalb setzt „Deine Korrespondentin“ auf Spenden und neue Medien-Kooperationen.

Monatlich unterstützen

Auf steady kann jede(r) das Magazin mit geringen Monats- oder Jahressummen schon ab 5 Euro unterstützen. Ein lohnenswertes Engagement, wie ich finde. Denn, mal ganz ehrlich:  Wo besser sonst als hier kann man die tollsten Geschichten von Frauen aus der ganzen Welt lesen, sehen und hören?

Update: „Deine Korrespondentin“ gibt es immer noch! Nach einigen Kampagnen im Netz in den vergangegen Jahren hat Pauline Tilmann es geschafft, sogar eine Journalistin mit an Bord zu nehmen, die über innovative Frauen in Deutschland schreibt. Die Plattform ist weiter auf finanzielle Hilfe angewiesen, um ihre Kosten zu decken. Informationen zu dem Netzwerk, den einzelnen Korrespondentinnen sowie Artikel und Podcast-Audios gibt es direkt auf der Seite „Deine Korrespondentin“.

Kommentar verfassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Scroll to Top